Auf einen Blick

  • 0,75 Vol.-% Hakenstahlfasern können Mindestschubbewehrung in hochfestem Leichtbeton ersetzen
  • Tragfähigkeit steigt um 2,5%, Durchbiegung um 7,8%, Energieaufnahme um 16,1%
  • Selbstverdichtende Eigenschaften reduzieren Verdichtungsaufwand auf der Baustelle
  • Besonders vorteilhaft bei engen Bewehrungsabständen und komplexen Geometrien
  • Vorhersagemodelle mit Faserfaktor zeigen beste Übereinstimmung mit Versuchsergebnissen

Die 2026 veröffentlichte Studie untersucht die Machbarkeit, geschweißte Hakenstahlfasern als Ersatz für Mindestschubbewehrung in hochfestem selbstverdichtendem Leichtbeton (HSLC) einzusetzen. Für Maurer und Betonbauer eröffnet dies neue Möglichkeiten bei der Herstellung von Stahlbetonkonstruktionen mit reduziertem konventionellem Bewehrungsaufwand, insbesondere bei komplexen Querschnittsgeometrien oder dichter Längsbewehrung. Die experimentellen Ergebnisse an sechs Balkenproben liefern belastbare Daten für die praktische Anwendung im Bauwesen.

Ersetzung der Schubbewehrung durch Stahlfasern

Die Untersuchung zeigte, dass der vollständige Ersatz der Mindestschubbewehrung durch 0,75 Vol.-% Hakenstahlfasern technisch möglich ist. Sechs HSLC-Balkenproben wurden mit unterschiedlichen Bewehrungskonfigurationen getestet: ohne Fasern und ohne Bügel, nur mit Fasern, nur mit Bügeln sowie mit beiden Bewehrungsarten. Die Ergebnisse belegen, dass faserverstärkte Balken ohne konventionelle Schubbügel nahezu die gleiche oder sogar höhere Tragfähigkeit erreichen. Die Biegetragfähigkeit stieg um 2,5%, die maximale Durchbiegung um 7,8% und die Energieaufnahmekapazität sogar um 16,1%. Dies bestätigt, dass Stahlfasern nicht nur als Ergänzung, sondern als vollwertiger Ersatz für Schubbewehrung fungieren können.

Stahlfasern in HSLC-Balken erreichen bessere Duktilität und Energieabsorption als konventionelle Schubbügel bei gleicher oder höherer Tragfähigkeit.
TRL 6: Technologie in relevanter Umgebung demonstriert

Tragverhalten und Versagensmodi

Die experimentelle Analyse der Last-Durchbiegungs-Kurven zeigte unterschiedliche Versagensmodi je nach Bewehrungsvariante. Balken ohne Fasern und ohne Bügel versagten spröde durch Schub, während faserverstärkte Proben ein duktiles Biegeversagen mit intensiver Rissbildung über die gesamte Versuchsdauer zeigten. Die Haken-End-Fasern bewirken eine wirksame Rissüberbrückung und verteilen die Energiedissipation über den gesamten Querschnitt. Die Kombination aus Fasern und Bügeln ergab die höchste Gesamttragfähigkeit, wobei der synergetische Effekt besonders im Nachbruchverhalten sichtbar wurde.

Faserverstärkter Leichtbeton zeigt kontrolliertes, duktiles Versagen mit frühzeitiger Rissanzeige – ein sicherheitsrelevanter Vorteil gegenüber sprödem Schubversagen.
TRL 6: Technologie in relevanter Umgebung demonstriert

Vorhersagemodelle für Faser-Schubtragfähigkeit

Die Studie verglich experimentell ermittelte Faser-Schubtragfähigkeiten mit verschiedenen Vorhersagegleichungen. Modelle mit explizitem Faserfaktor zeigten die beste Übereinstimmung mit den Versuchsergebnissen, wobei die minimale Abweichung bei 10,1% lag. Traditionelle Modelle ohne faserspezifische Parameter führten zu konservativeren, teils unterschätzenden Vorhersagen. Für die Praxis bedeutet dies, dass Bemessungsansätze nach fib MC2010 oder ähnlichen Normen mit Faserfaktoren eine zuverlässige Auslegung ermöglichen. Besonders relevant: Die Modellgenauigkeit steigt mit konsistenter Faserverteilung im selbstverdichtenden Beton.

Vorhersagemodelle mit Faserfaktor nach fib MC2010 ermöglichen sichere Bemessung mit maximal 10% Abweichung von Versuchswerten.
TRL 6: Technologie in relevanter Umgebung demonstriert

Transferpotenzial für Maurer

Für das Maurer-Handwerk ergeben sich aus dieser Forschung unmittelbare Anwendungsmöglichkeiten. Selbstverdichtender Leichtbeton (SCLC) reduziert den Verdichtungsaufwand auf der Baustelle erheblich – kein Rütteln, weniger Lärm, schnellere Verarbeitung. Die Substitution von Schubbügeln durch Stahlfasern vereinfacht Bewehrungspläne und Beschickungsvorgänge, besonders bei dünnen Bauteilquerschnitten oder dichter Längsbewehrung. Bei komplexen Geometrien wie verzahnten Trägerknoten oder Aussparungen entfällt das aufwändige Verlegen von Bügeln an schwer zugänglichen Stellen.

Praktische Vorteile bei der Ausführung: Kein Einlegen von Bügeln während des Betonierens, reduzierte Verletzungsgefahr durch spitze Bewehrungselemente und gleichmäßigere Materialverteilung durch selbstverdichtende Eigenschaften. Die höhere Energieaufnahmekapazität erhöht die Robustheit der fertigen Konstruktion. Für qualitative Ausschreibungen sollten Maurer Hinweise auf faserverstärkte HSLC-Konstruktionen in Leistungsverzeichnisse aufnehmen und die Vorteile hinsichtlich Arbeitszeit und Qualität hervorheben. In der Ausführungsplanung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit Tragwerksplanern, die Erfahrung mit Faserbeton-Bemessung nach fib MC2010 oder ähnlichen Standards haben.

Fazit

Die Studie liefert belastbare experimentelle Nachweise, dass Hakenstahlfasern mit 0,75 Vol.-% die Mindestschubbewehrung in hochfestem selbstverdichtendem Leichtbeton vollständig ersetzen können. Für Maurer bedeutet dies vereinfachte Ausführung, höhere Arbeitsgeschwindigkeit und verbesserte Bauteileigenschaften. Die Übereinstimmung mit etablierten Vorhersagemodellen erleichtert die Integration in bestehende Bemessungsnormen. Künftige Forschung sollte sich auf Langzeitverhalten, Dauerhaftigkeit unter Umweltbelastung und Anwendungsbeispiele im Hochbau konzentrieren.

Quellen