Auf einen Blick

  • Recycelte Feinaggregate (RFA) aus Bauschutt können natürlichem Sand in selbstverdichtendem Beton (SCC) ersetzen
  • Bei 5% Ersatz beträgt die Festigkeitsreduktion nur etwa 1%, bei 10% Ersatz rund 6%
  • Alle Mischungen erfüllen die SCC-Verarbeitbarkeitsanforderungen ohne zusätzliche Vibration
  • Wasseraufnahme bleibt unter 6% und damit im akzeptablen Bereich
  • Praktisch umsetzbar für M35- und M45-Betongüten im Maurerhandwerk

Die Studie „Investigation on Properties of Self Compacting Concrete with Recycled Aggregate" (2024) untersucht, ob recycelte Feinaggregate aus Bauschutt als nachhaltige Alternative zu natürlichem Sand in selbstverdichtendem Beton dienen können. Für das Maurerhandwerk ist diese Fragestellung hochrelevant, da SCC zunehmend bei komplexen Bewehrungsgeometrien und schwer zugänglichen Schalungen eingesetzt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass begrenzter RFA-Einsatz technisch machbar ist und ohne signifikante Leistungseinbußen bleibt.

Verarbeitbarkeit: Volle SCC-Konformität mit RFA

Die frischen Betoneigenschaften wurden mittels Slump-Flow-Test, V-Trichter-Versuch und L-Box-Methode umfassend charakterisiert. Alle untersuchten Mischungen – sowohl für M35 als auch M45 Güte – erzielten Slump-Flow-Werte zwischen 681 und 718 mm, was den Anforderungen an selbstverdichtenden Beton entspricht. Die V-Trichter-Zeiten lagen im Bereich von 8,1 bis 10,7 Sekunden und bestätigten damit die ausreichende Viskosität. Die L-Box-Verhältniswerte überschritten durchgehend 0,85, was die Fähigkeit zum selbstständigen Fließen und Passieren enger Bewehrungsabstände belegt. Selbst bei 10% RFA-Ersatz waren keine signifikanten Unterschiede zur Referenzmischung feststellbar.

Recycelte Feinaggregate beeinträchtigen die Verarbeitbarkeit von SCC nicht – alle Kennwerte bleiben innerhalb der Normvorgaben.
TRL 5: Technologie in relevanter Umgebung validiert

Mechanische Festigkeit: Geringe Einbußen bei moderatem RFA-Anteil

Die Druckfestigkeitsprüfung nach 28 Tagen zeigte differenzierte Ergebnisse je nach RFA-Ersatzgrad. Bei nur 5% Ersatz belief sich die Festigkeitsreduktion auf etwa 1%, was für praktische Anwendungen vernachlässigbar ist. Bei Verdoppelung auf 10% RFA stieg die Reduktion auf ungefähr 6%. Diese Werte gelten gleichermaßen für M35- und M45-Betongüten. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere der 5%-Ersatzgrad eine realistische Option für Bauvorhaben darstellt, bei denen maximale Festigkeit nicht kritisch ist. Die Restfestigkeit bleibt dabei voll geeignet für tragende Bauteile nach Norm.

5% RFA-Ersatz reduziert die Betonfestigkeit um lediglich ~1% – ein akzeptabler Kompromiss für nachhaltiges Bauen.
TRL 5: Technologie in relevanter Umgebung validiert

Dauerhaftigkeit: Wasseraufnahme im zulässigen Bereich

Ein wesentliches Kriterium für die Langzeitperformance von Betonkonstruktionen ist die Wasseraufnahme. Die Studie dokumentierte, dass die Wasseraufnahme mit zunehmendem RFA-Anteil leicht anstieg, jedoch unter 6% blieb. Dieser Wert liegt innerhalb akzeptabler Grenzen nach einschlägigen Betonnormen. Die geringere Dichtigkeit resultiert aus der porösen Struktur der recycelten Feinaggregate, die aus aufbereitetem Bauschutt stammen. Für viele Anwendungen im Wohnungsbau und im mittleren Ingenieurbau ist die Beeinträchtigung akzeptabel. Besonders für innenliegende Bauteile ohne direkte Witterungsexposition stellt dies keine praktische Einschränkung dar.

Die Wasseraufnahme bleibt auch bei RFA-Einsatz unter 6% und erfüllt damit die Dauerhaftigkeitsanforderungen für Standardanwendungen.
TRL 5: Technologie in relevanter Umgebung validiert

Transferpotenzial für Maurer

Für das Maurerhandwerk eröffnet die Nutzung von RFA in selbstverdichtendem Beton konkrete Anwendungsfelder. Bei Fundamentarbeiten oder der Herstellung von Stahlbetonbauteilen mit enger Bewehrung kann SCC mit 5% RFA ohne Qualitätseinbußen eingesetzt werden. Die Verarbeitbarkeit bleibt voll erhalten, sodass keine Anpassungen der Einbauverfahren erforderlich sind.

Baufirmen können durch RFA-Einsatz ihre Nachhaltigkeitsbilanz verbessern und gleichzeitig Entsorgungskosten für Bauschutt reduzieren. Regionale Recyclinganlagen bieten Zugang zu aufbereitetem Material. Vor der Anwendung empfiehlt sich eine Materialprüfung gemäß Normen, da die Qualität des RFA von der Herkunft des Bauschutts abhängt. Für Betongüten bis M45 ist 5% RFA ohne weiteres realisierbar – für höhere Güten oder exponierte Bauteile sollte eine projektspezifische Erprobung erfolgen.

Fazit

Die Untersuchung belegt, dass selbstverdichtender Beton mit 5% recyceltem Feinagggregat technisch und wirtschaftlich eine realistische Alternative zu konventionellen SCC-Mischungen darstellt. Die Festigkeitsreduktion von etwa 1% ist für die meisten Maureranwendungen akzeptabel. Für eine breite Markteinführung sind weitere Feldversuche unter Baustellenbedingungen sowie begleitende Qualitätssicherungsprotokolle sinnvoll.

Quellen