Auf einen Blick
- ECC-Reparaturmörtel mit 4% SBR-Latex erreichen deutlich bessere Biegezugfestigkeit und Haftverbund als konventionelle Mörtel
- 1% PEG als Selbstheilungszusatz verbessert Hydratation und reduziert Schwindrisse – Dosierung ist kritisch
- SCM-Modifizierung (Silikastaub, Flugasche, Hütensand) erhöht Widerstand gegen Chlorideindringung signifikant
- Die optimierten Mischungsformeln sind aktuell NICHT kommerziell erhältlich – Laborstatus
- Bestehende SBR-modifizierte Reparaturmörtel am Markt können als Zwischenlösung dienen
Die wissenschaftliche Studie untersucht Engineered Cementitious Composites (ECC) als nachhaltige Alternative zu konventionellen Reparaturmörteln. Durch gezielte Zugabe von Polymeren (SBR-Latex) und Selbstheilungsmitteln (PEG) werden die mechanischen und dauerhaftigkeitsrelevanten Eigenschaften systematisch optimiert. Die Studie liefert wichtige Kennwerte für künftige Produktentwicklung, bleibt jedoch im Laborstatus – kommerzielle Produkte gibt es noch nicht.
Polymermodifizierung steigert Verbundfestigkeit
Die Untersuchungen zeigen, dass Styrene-Butadiene Rubber (SBR) Latex in Konzentrationen von 2–6% signifikante Auswirkungen auf die Mörtel-Eigenschaften hat. Bei 4% SBR-Zugabe werden die besten Ergebnisse für Biegezugfestigkeit und Haftverbund zum Untergrund erreicht. Die Polymerfilmbildung verbessert die Rissüberbrückung, führt jedoch durch Luftporenbildung zu 10–15% niedrigerer Druckfestigkeit. Die statistische Absicherung mittels Two-Way ANOVA bestätigt beide Haupteffekte und ihre Wechselwirkungen.
Selbstheilung durch interne Nachbehandlung
Polyethylenglycol (PEG) fungiert als interner Wasserreservoir und gewährleistet vollständige Hydratation auch bei eingeschränkter externer Nachbehandlung. Die Laborergebnisse zeigen, dass 1% PEG-Zugabe die Schwindneigung deutlicher reduziert als höhere Dosierungen, die mit Festigkeitsverlusten korrelieren. PEG-haltige Mörtel eignen sich besonders für Anwendungen mit erschwerten Nachbehandlungsbedingungen – etwa bei Fassaden oder Flächen mit begrenztem Wasserzugang.
Dauerhaftigkeit durch nachhaltige Zuschläge
Die Substitution von Portlandzement durch Supplementary Cementitious Materials (SCMs) verbessert die Dauerhaftigkeit substanziell. Chloridmigrationsprüfungen ergaben signifikant reduzierte Eindringtiefen bei mit Silikastaub, Flugasche oder Hütensand modifizierten Mischungen. Die Ultraschall-Pulsgeschwindigkeit als Indikator für innere Gefügeschäden zeigte ebenfalls verbesserte Werte. Im direkten Vergleich mit drei kommerziellen Reparaturmörteln übertrafen die optimierten ECC in Haftverbund, Dauerhaftigkeit und Rissresistenz – mit Ausnahme der Druckfestigkeit.
Transferpotenzial und Handlungsempfehlungen für Maurer
Aktuelle Marktsituation
Die in der Studie optimierten ECC-Mischungen sind nicht kommerziell erhältlich. Die Publikation liefert Rezeptur-Empfehlungen, die zunächst von Mörtelherstellern in Produkte überführt werden müssen. Für den unmittelbaren Praxiseinsatz stehen jedoch bereits SBR-modifizierte Reparaturmörtel am Markt zur Verfügung, die ähnliche Wirkmechanismen nutzen.
Verfügbare Alternativen
Folgende Produktkategorien können Maurer bereits einsetzen:
- Styrol-Butadien-modifizierte Reparaturmörtel: Hersteller wie Sika, Remmers oder Mapei bieten PCC-Mörtel (Polymer Cement Concrete) mit SBR oder Acrylat-Bindemitteln an. Typische Produkte: SikaTop 122, Remmers Bethimat, Mapei Topcem. Diese erreichen ähnliche Verbundfestigkeitswerte, enthalten jedoch meist keine systematisch optimierte SCM-Kombination.
- Silikal-Systeme: Schnellbindende Mörtel mit Polymermodifikation für Reparaturen unter Zeitdruck. Verfügbar bei spezialisierten Herstellern wie MC-Bauchemie oder Pagel.
- Intern nachbehandelte Mörtel: Einzelne Hersteller (z.B. Basalt-Systeme, Fosroc) bieten Mörtel mit integrierten Nachbehandlungskomponenten an – PEG-ähnliche Additive sind jedoch selten spezifiziert.
Konkrete Verarbeitungshinweise
Bis ECC-basierte Produkte am Markt etabliert sind, können Maurer bei SBR-modifizierten Produkten folgende Grundsätze anwenden:
- Untergrundvorbereitung: Sauberkeit und Vornässung entscheiden über den Haftverbund. SBR-Mörtel benötigen eine mindestens 20-minütige Vornässung des Betonuntergrunds bei saugenden Untergründen.
- Verarbeitungszeit: Polymermodifizierte Mörtel haben kürzere Verarbeitungszeiten als konventionelle Mörtel. Angerührtes Material innerhalb von 30–45 Minuten verarbeiten, da die Polymerfilmbildung irreversibel beginnt.
- Nachbehandlung: Bei PCC-Produkten reicht eine verkürzte Nachbehandlung von 3–5 Tagen bei entsprechenden polymerhaltigen Formulierungen. Die Studie zeigt jedoch: Vollständige Hydratation optimiert die Ergebnisse – also wo möglich: 7 Tage feucht nachbehandeln.
- Umgebungsbedingungen: Temperaturen zwischen 10–25°C einhalten, bei niedrigeren Temperaturen verlangsamt sich die Polymerfilmbildung und die Endfestigkeit sinkt.
Wann ECC-Modifizierte Produkte bevorzugen?
Sobald Hersteller entsprechende Produkte anbieten, sollten Maurer bei folgenden Anwendungsfällen auf ECC-basierte Systeme zurückgreifen:
- Schwindkritisches Reparaturen: Bei dünnen ReparaturSchichten (unter 30 mm) mit konzentriertem Schwindrisiko – etwa bei Brückenuntersicht oder Bodenplatten mit Begrenzungen.
- Schwierige Nachbehandlungsbedingungen: Fassadensanierungen, Hallendecken oder andere Bereiche, wo Wasserzugang eingeschränkt ist.
- Chloridexposition: Parkhaus- und Tiefgarageninstandsetzungen profitieren von den SCM-bedingten Dauerhaftigkeitsverbesserungen.
- Rissüberbrückung gefordert: Bei dynamisch belasteten Reparaturstellen oder substratbedingter Rissgefährdung.
Fazit
Die Studie liefert fundierte Laborergebnisse für ECC-basierte Reparaturmörtel mit optimierten SBR- und PEG-Dosierungen. Die technologischen Vorteile gegenüber kommerziellen Produkten sind im Labor messbar – eine Markteinführung steht jedoch aus. Maurer können bis dahin auf verfügbare SBR-modifizierte PCC-Produkte ausweichen und dabei die Verarbeitungsgrundsätze (Vornässung, Nachbehandlung, Temperatur) befolgen. Eine Überwachung der Herstellerangebote wird empfohlen, da die technologischen Vorteile bei Dauerhaftigkeit und Risskontrolle praktisch relevant sind.
Quellen
- Primär: Influence of self-curing agents and sustainable additives on repair mortar: a two-way ANOVA approach (2026). https://doi.org/10.1080/13467581.2026.2629643
- ITZ microstructure of concrete containing GGBS (2004). https://doi.org/10.1016/j.cemconcomp.2004.01.003
- Durability of Styrene-Butadiene latex modified concrete (1997). https://doi.org/10.1016/S0008-8846(97)00074-1
- Effects of polymer modification on the permeability of cement mortars under different curing conditions (2011). https://doi.org/10.1016/j.conbuildmat.2011.03.024
- Investigation of the Bond between Concrete Substrate and ECC Overlays (2013). https://doi.org/10.1061/(ASCE)MT.1943-5533.0000758
- Effect of Expansive Admixtures on the Shrinkage and Mechanical Properties of High‐Performance Fiber‐Reinforced Cement Composites (2013). https://doi.org/10.1002/suco.201300055
- Structural Performance of Polymer Fiber Reinforced Engineered Cementitious Composites Subjected to Static and Fatigue Flexural Loading (2015). https://doi.org/10.1016/j.compstruct.2015.01.010