Auf einen Blick

  • Hybrides SHCC-Stahl-Verstärkungssystem für unbewehrtes Mauerwerk entwickelt
  • Signifikante Steigerung der seismischen Tragfähigkeit und Verformbarkeit nachweisbar
  • Praxisnahe Nachrüstung bestehender Gebäude ohne konstruktive Eingriffe möglich
  • Kombination aus modernem Hochleistungswerkstoff und bewährter Stahlbewehrung
  • Relevante Innovation für Sanierungs- und Denkmalpflegeprojekte in Erdbebenregionen

Technologie: Hybrides SHCC-Stahl-Verbundsystem

Das untersuchte System basiert auf einer intelligenten Materialkombination: Strain-Hardening Cementitious Composites (verformungshärtende zementgebundene Verbundwerkstoffe) bilden gemeinsam mit integrierten Stahlelementen ein hybrides Verstärkungssystem für bestehendes unbewehrtes Mauerwerk. Im Gegensatz zu klassischen Spritzbeton- oder Faserverbundlösungen bietet SHCC eine ausgeprägte Verformungsfähigkeit mit kontrollierter Rissbildung. Die experimentellen Untersuchungen zeigen, dass durch die hybride Kombination die Tragfähigkeit gegenüber unverstärktem Mauerwerk um bis zu 200–300 Prozent gesteigert werden konnte, bei gleichzeitig signifikant verbesserter Energieabsorption unter zyklischer Belastung.

Die Synergie zwischen dem verformungsfähigen SHCC-Material und der tragenden Stahlbewehrung ermöglicht erstmalig eine duktile Antwort des Mauerwerks auf seismische Beanspruchungen, ohne die historische Bausubstanz substantiell zu verändern.
TRL 5: Technologie in Laborumgebung validiert

Anwendungsbereiche und Leistungsfähigkeit

Die Validierung erfolgte an realitätsnahen Mauerwerkswänden unter pseudo-dynamischer Belastung, wobei verschiedene Konfigurationen des hybriden Systems getestet wurden. Besonders relevant für die Praxis: Das System lässt sich als aufgeklebte oder verdübelte Schicht von 20–40 Millimetern Dicke applizieren und erfordert keine fundamentale Änderung der bestehenden Konstruktion. Die Untersuchungen dokumentieren, dass typische Versagensmechanismen von Mauerwerk – sprödes Versagen unter Schubbeanspruchung, Ausknicken schlanker Wände, Trennung von Mauerwerksschalen – effektiv unterbunden werden. Die Energiedissipationskapazität erreichte im Mittel das 4- bis 6-fache des Referenzwandsystems.

Für Maurer bedeutet dies: Die Methode eignet sich besonders für Denkmalschutzobjekte, historische Bausubstanz und generell für Bestandsbauten in Erdbebenzonen, wo konventionelle Abbrüche oder Kernsanierungen wirtschaftlich oder denkmalpflegerisch nicht realisierbar sind.
TRL 5: Technologie in Laborumgebung validiert

Transferpotenzial für Maurer

Das hybride SHCC-Stahl-System eröffnet dem Maurergewerk neue Geschäftsfelder in der Gebäudesanierung und erdbebensicheren Ertüchtigung. Im Vergleich zu TRM (Textile-Reinforced Mortar) oder CFRP-Systemen bietet die SHCC-Lösung Vorteile bei der Kombination mit mineralischen Untergründen und der Bauphysik. Konkrete Handlungsempfehlungen für den Praxistransfer: Maurerbetriebe sollten frühzeitig Kooperationen mit SHCC-Materialherstellern aufbauen, um Applikationstechniken zu erlernen und Materialverfügbarkeit zu sichern. Spezifische Zertifizierungskurse zu Hochleistungswerkstoffen werden von Bauindustrie-Verbänden und Materialherstellern angeboten und ermöglichen die qualifizierte Ausführung nachrüstungsrelevanter Maßnahmen. Betriebe können erste Pilotprojekte identifizieren – etwa durch Ansprache von Denkmalpflegeämtern, Bauherren in Erdbebenregionen und Sanierungsträgern. Zukünftige Normenanpassungen und Förderprogramme für erdbebensicheres Bauen werden die Nachfrage nach qualifizierten Fachbetrieben weiter steigern.

Fazit

Die vorgestellte hybride SHCC-Stahl-Technologie stellt einen signifikanten Fortschritt in der Nachrüstung von Mauerwerksbauten dar. Mit nachgewiesener Steigerung der Tragfähigkeit und Verformbarkeit bei gleichzeitigem Erhalt der historischen Bausubstanz adressiert sie zentrale Herausforderungen der modernen Bauwerkserhaltung. Für das Maurergewerk bietet sich ein strategisches Entwicklungsfeld: durch Spezialisierung auf hochwertige Sanierungsverfahren, Kooperationen mit Materialherstellern und gezielte Weiterbildung können Betriebe sich in diesem wachsenden Segment positionieren und Marktanteile gewinnen.

Quellen