Auf einen Blick

  • Die Publikation stellt drei wenig bekannte, aber praxisrelevante zerstörungsfreie Prüfverfahren für Betonoberflächen vor – lasergestützte Rautiefenmessung, Hochspannungs-Prüfung der Porenfreiheit und mobile Gleitreibungsmessung
  • Lasergestützte Rautiefenmessung nach DIN EN ISO 13473-1 ermöglicht bis zu 80 % Zeitersparnis gegenüber dem klassischen Sandflächenverfahren nach Kaufmann
  • Hochspannungsprüfung nach DIN 55670 detektiert Poren in Grundierungslagen zuverlässig vor dem Aufbringen von Abdichtungsschichten
  • Mobile Gleitreibungsmesser sichern die erforderliche Rutschhemmung von Oberflächenschutzsystemen nach DIN 5131 und EN 13893 ab
  • Alle drei Verfahren sind normativ verankert, als TRL 8-9 etabliert und unmittelbar baustellentauglich einsetzbar

Rautiefenbestimmung: Vom Sandflächenverfahren zur Lasermessung

Ingenieurbauwerke wie Parkhäuser und Brücken sind im Winterdienst massiven Tausalzbelastungen ausgesetzt. Zur Vermeidung chloridinduzierter Bewehrungskorrosion müssen Betonoberflächen mit Abdichtungssystemen versehen werden. Voraussetzung für deren Haftung ist eine ausreichende Oberflächenrautiefe. Das etablierte Sandflächenverfahren nach Kaufmann liefert zwar zuverlässige Werte, erfordert jedoch einen hohen Arbeitsaufwand. Mit dem ELAtextur-Lasermessgerät kann die Rautiefe nach DIN EN ISO 13473-1 berührungslos und deutlich schneller gemessen werden. Dabei wird die sogenannte Mean Profile Depth (MPD) ermittelt und über eine normierte Umrechnungsfunktion die Estimated Profile Depth (EPD) berechnet, welche der mittleren Rautiefe nach Kaufmann entspricht. Diese Methode beschleunigt die Qualitätssicherung auf Baustellen erheblich und bietet eine reproduzierbare, dokumentierbare Messgrundlage.

Die Lasermessung bietet eine baustellentaugliche, normativ abgesicherte Alternative zum arbeitsintensiven Sandflächenverfahren und beschleunigt die Qualitätssicherung erheblich.
TRL 9: Etablierter, industrieller Einsatz in der Praxis

Porenfreiheitsprüfung: Hochspannung als Qualitätsgarant

Nach Bestätigung der erforderlichen Rautiefe werden die Grundierungslagen aufgebracht. Diese müssen zwingend porenfrei ausgeführt werden, da durch Hitzeeinwirkung – etwa beim Aufflämmen von Bitumenschweißbahnen oder bei der Asphaltapplikation – andernfalls Luft oder Wasserdampf aus dem Kapillarporengefüge des Betons nach oben dringt. Die Folge sind Blasenbildungen und Ablösungen der darüber liegenden Dichtschichten. Die Porenfreiheit wird nach DIN 55670 geprüft: Ein Porensuchgerät wird elektrisch leitend an die Bewehrung angeschlossen, eine Flächenelektrode über die Grundierungslagen gezogen. Liegt eine konstante Hochspannung an, wirkt eine geschlossene Beschichtung als Isolierung. Bei Poren oder Fehlstellen schließt sich der Stromkreis über einen Funkenüberschlag – das Gerät meldet dies akustisch. So können Mängel vor dem Aufbringen kostspieliger Abdichtungsschichten entdeckt und behoben werden.

Die Hochspannungsprüfung ermöglicht eine zerstörungsfreie, flächendeckende Detektion von Fehlstellen vor dem Aufbringen der eigentlichen Abdichtungsschichten.
TRL 9: Etablierter, industrieller Einsatz in der Praxis

Gleitreibungsmessung: Sicherung der Rutschhemmung

Kunststoffgebundene Oberflächenschutzsysteme müssen zur Unfallverhütung definierte Rutschhemmklassen aufweisen. Mobile Gleitreibungsmesser erlauben die Bestimmung des Gleitreibungskoeffizienten nach DIN 5131 und EN 13893 direkt auf der Baustelle. Diese Messungen sind besonders relevant für Parkhaus- und Brückenbauteile, bei denen die Kombination aus Tausalzrückständen, Nässe und glatten Beschichtungen ein erhebliches Unfallrisiko birgt. Die Geräte sind kompakt, lassen sich von geschultem Personal bedienen und liefern direkt auswertbare Ergebnisse ohne Laboraufwand. Somit kann noch während der Ausführung die Einhaltung der geforderten Rutschsicherheit geprüft und dokumentiert werden.

Die mobile Gleitreibungsmessung schließt die Lücke zwischen planerischer Vorgabe und tatsächlich ausgeführter Oberflächenqualität und sichert die Unfallprävention.
TRL 8: System vollständig qualifiziert und einsatzbereit

Transferpotenzial für Maurer

Für das Maurerhandwerk ergeben sich aus diesen „Hidden Champions" der ZfP konkrete Anwendungsfelder. Bei ausschreibungs- und abnahmeseitigen Leistungen zur Betonoberflächenvorbereitung kann die Lasermessung Argumentationshilfe bieten, wenn Rautiefenforderungen nachgewiesen werden müssen. Die Porenfreiheitsprüfung vor dem Aufbringen von Abdichtungssystemen schützt vor Haftungsrisiken bei anschließenden Mängeln. Maurerbetriebe, die auch Abdichtungs- und Oberflächenschutzarbeiten ausführen, können durch den gezielten Einsatz dieser Prüfgeräte ihre Qualitätssicherung systematisieren und sich im Wettbewerb als technisch kompetente Partner positionieren. Die verhältnismäßig geringen Investitionskosten für die Geräte stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen Folgekosten bei unentdeckten Fehlstellen.

Besonders relevant wird der Einsatz bei Ingenieurbauwerken mit Tausalzbelastung: Hier können Maurer durch dokumentierte Messungen die Grundlage für langlebige Abdichtungssysteme schaffen und Bauherren wie Planern die Einhaltung der relevanten Normen nachweisen.

Fazit

Die vorgestellten zerstörungsfreien Prüfverfahren beweisen, dass bewährte Standards und vergleichsweise einfache Messtechnik erheblichen Mehrwert für die baupraktische Qualitätssicherung bieten können. Für Maurerbetriebe eröffnet sich damit ein Zugang zu professioneller Prüftechnik ohne den Aufwand hochkomplexer Systeme. Die normative Verankerung aller drei Verfahren garantiert zudem die Akzeptanz der Messergebnisse in Abnahmeprozessen. Zukünftig könnte die Integration dieser Verfahren in digitale Baudokumentationssysteme weitere Effizienzgewinne bringen.

Quellen

  • Primär: Hidden Champions – wenig bekannte, aber wichtige ZfP-Verfahren (2024). https://doi.org/10.58286/32707
  • Norm: DIN EN ISO 13473-1: Charakterisierung von Texturmittelwerten für die Rauheitsmessung.
  • Norm: DIN 55670: Prüfung von Beschichtungsstoffen – Porensuche an nicht leitfähigen Beschichtungen auf leitfähigem Untergrund.
  • Norm: DIN 5131 / EN 13893: Bestimmung der Gleitreibungskoeffizienten.