Auf einen Blick

  • Altreifengummi als Zuschlagstoff ermöglicht Leichtbeton mit Dichtereduktion bis 13%
  • Feine Gummipartikel verbessern Wärmedämmung um 37% und Schallabsorption um 74%
  • Porosität steigt kontrolliert von 12% auf maximal 18% bei 20% Gummiersatz
  • Technologie im Labor validiert (TRL 5), Übertragung in Baupraxis noch erforderlich
  • Ökologischer Mehrwert: Recycling von Altreifen für funktionale Baustoffe

Die wissenschaftliche Studie untersucht den Einsatz von recyceltem Gummimaterial aus Altreifen als Zuschlag in selbstverdichtendem Beton. Diese Innovation ist für das Maurerhandwerk besonders relevant, da sie Möglichkeiten eröffnet, Leichtbeton mit integriertem Wärme- und Schallschutz direkt bei der Mischung herzustellen – ohne zusätzliche Dämmschichten.

Dichte und Porosität: Die physikalischen Grundlagen

Die Forscher ersetzten herkömmliche Mineralzuschläge durch drei verschiedene Gummigrößen: feines Pulver (PR 0/2 mm), Gummisand (SR 0/4 mm) und grobe Gummizuschläge (GR 3/7 mm). Bei einer volumetrischen Ersetzungsrate von 20% sank die Betondichte von 2400 kg/m³ (Referenzbeton) auf 2080 kg/m³ für PR (–13%), 2160 kg/m³ für SR (–10%) und 2240 kg/m³ für GR (–7%). Parallel stieg die wasserzugängliche Porosität von 12% im Kontrollbeton auf 18% bei PR, 16% bei SR und 14% bei GR. Feines Gummipulver erzeugt also die größte Porositätszunahme, grobe Partikel die geringste.

Feines Gummimaterial maximiert die Dichtereduktion und Leichtbaueigenschaften, während grobe Partikel die Festigkeitsverluste begrenzen – eine Abwägung zwischen Gewicht und Tragfähigkeit.
TRL 5: Technologie im Labor validiert

Wärmedämmung: Thermische Leistung verbessern

Die modifizierte Porenstruktur verbessert die Wärmedämmeigenschaften signifikant. Die Wärmeleitfähigkeit des Betons sank von 1,75 W/m×K (Referenz) auf 1,10 W/m×K beim feinen Gummipulver (–37%), auf 1,25 W/m×K beim Gummisand (–29%) und auf 1,35 W/m×K bei groben Gummizuschlägen (–23%). Diese Werte nähern sich denen von Ziegel oder Porenbeton an. Bereits eine Ersetzungsrate von 15% erreicht Dämmwerte, die zusätzliche Wärmedämmverbundsysteme reduzieren oder ersetzen könnten.

Gummibeton erreicht bei 20% Ersetzung nahezu die Wärmeleitfähigkeit von Poroton – ein Material mit integriertem Dämmcharakter.
TRL 5: Technologie im Labor validiert

Schallabsorption: Akustische Eigenschaften optimieren

Ein akustischer Absorptionsindex, basierend auf Porosität und Dichte, quantifizierte die Schallschutzverbesserung. Der Index stieg vom Referenzwert 0,005 auf 0,0087 für PR (+74%), 0,0074 für SR (+48%) und 0,0063 für GR (+26%). Die erhöhte Porosität und das viskoelastische Verhalten der Gummipartikel dissipieren Schallenergie effektiver als konventionelle Betone. Bei Innenwänden, Trennwänden oder Decken in Mehrfamilienhäusern könnte gummimodifizierter Beton akustische Anforderungen ohne zusätzlichen Aufbau erfüllen.

Feines Gummipulver kombiniert maximale Schallabsorption mit bester Wärmedämmung – ideal für funktionale Trennwände ohne Zusatzmaßnahmen.
TRL 5: Technologie im Labor validiert

Transferpotenzial für Maurer

Für das Maurerhandwerk ergeben sich多条 Anwendungsstrategien. Im Neubau können Innen- und Trennwände aus gummimodifiziertem Beton ohne nachträgliche Dämmung oder Schallschutzplatten erstellt werden – das spart Zeit, Material und Arbeitsgänge. Bei Sanierungen ermöglicht der leichtere Beton geringere Fundamentbelastungen und vereinfacht statische Nachweise. Vorgefertigte Elemente wie Schallschutzwände entlang von Verkehrs wegen oder Trennwände in Gewerbebauten profitieren von der Kombination aus Gewicht, Dämmung und Akustik. Die Verarbeitung erfolgt wie bei herkömmlichem selbstverdichtendem Beton mit denselben Werkzeugen und Techniken.

Implementierungsherausforderungen: Die Festigkeit des Betons sinkt mit zunehmendem Gummanteil – für tragende Bauteile sind daher Obergrenzen zu beachten. Langzeitverhalten unter Witterungseinflüssen, Frost-Tau-Wechseln und mechanischer Belastung wurden noch nicht untersucht. Eine enge Zusammenarbeit mit Betonwerken und Materialprüfstellen ist für die Einführung erforderlich.

Empfehlung: Start mit Pilotprojekten im nicht-tragenden Bereich (Trennwände, Bekleidungen), schrittweise Optimierung der Mischrezepturen in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern.

Fazit

Gummimodifizierter Beton bietet dem Maurerhandwerk ein funktionales Material, das Leichtbau, Wärmedämmung und Schallschutz vereint. Die Laborergebnisse sind vielversprechend, doch fehlen noch Praxiserprobung, baurechtliche Zulassungen und Langzeiterfahrungen. Mit gezielten Pilotprojekten kann das Gewerk diese nachhaltige Innovation in die Baupraxis überführen und neue Marktsegmente erschließen.

Quellen

  • Primär: DEVELOPMENT OF MULTIFUNCTIONAL CONCRETE INCORPORATING RECYCLED TIRE RUBBER: INFLUENCE OF RUBBER PARTICLE SIZE ON PHYSICAL, THERMAL, AND ACOUSTIC PROPERTIES (2026). https://doi.org/10.17654/0973576326010