Auf einen Blick

  • Industrie-Nebenprodukte (Eisenschlacke, Steinasche) können natürliche Zuschläge in selbstverdrichtendem Beton ersetzen
  • Optimale Mischung (50% Steinasche) erreicht 44,38 MPa Druckfestigkeit bei SCC-tauglicher Verarbeitbarkeit
  • Verbesserte Dauerhaftigkeit durch geringere Porosität und höhere Chloridresistenz
  • Nachhaltige Alternative zur Ressourcenschonung bei gleichbleibender Tragfähigkeit
  • Besonders geeignet für Bodenplatten und tragende Bauteile im Industriebau

Die Publikation untersucht, wie industrielle Nebenprodukte – Eisenschlacke (Iron Slag, IS) als Grobzuschlag und Steinasche (Stone Ash, SA) als Feinzuschlag – natürliche Zuschlagstoffe in selbstverdichtendem Beton (SCC) ersetzen können. Für Maurer ist diese Forschung hochrelevant, da SCC im praktischen Baubetrieb zunehmend an Bedeutung gewinnt und nachhaltige Materialalternativen sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Die Studie liefert konkrete Mischungsverhältnisse und Prüfparameter für die betriebliche Umsetzung.

Mechanische Leistungsfähigkeit der SCC-Mischungen

Die Forscher testeten vier verschiedene SCC-Mischungen: BSI-N (Kontrollmischung ohne Ersatzstoffe), BSI-1 (100% Eisenschlacke, 0% Steinasche), BSI-2 (100% IS, 50% SA) und BSI-3 (100% IS, 100% SA). Die Mischung BSI-3 erreichte mit 50,40 MPa die höchste Druckfestigkeit, scheiterte jedoch an den SCC-Anforderungen, da der Ausbreitmaß mit unter 550 mm nicht den Selbstverdichtungskriterien entsprach. Die praxisrelevanteste Lösung bot BSI-2 mit einem Ausbreitmaß von 650 mm und einer Druckfestigkeit von 44,38 MPa – ausreichend für tragende Bauteile im Industriebau.

Eine 50-prozentige Substitution der Feinzuschläge durch Steinasche bei vollständigem Ersatz der Grobzuschläge durch Eisenschlacke bietet die beste Balance aus Verarbeitbarkeit und Festigkeit.
TRL 5: Technologische Validierung im laborrelevanten Umfeld

Dauerhaftigkeit und Widerstandsfähigkeit

Neben der Druckfestigkeit untersuchten die Autoren Porosität, Sorptivität, elektrischen Widerstand, Chlorideindringung und Abriebfestigkeit. Die Mischung BSI-2 zeigte die beste Chloridpenetrationsresistenz, was für Maurer besonders bei Bauteilen in aggressiven Umgebungen (z. B. Parkhäuser, Industrieanlagen) relevant ist. Die Porosität sank signifikant mit zunehmendem Steinaschegehalt, während die Abriebfestigkeit stieg. BSI-3 wies die niedrigste Porosität auf, bestätigte aber den Zielkonflikt zwischen maximaler Festigkeit und Verarbeitbarkeit.

Die verbesserte Dauerhaftigkeit durch reduzierte Porosität und erhöhte Chloridresistenz macht SCC mit IS/SA ideal für exponierte Bauteile mit hoher mechanischer Beanspruchung.
TRL 5: Technologische Validierung im laborrelevanten Umfeld

Verarbeitbarkeit und SCC-Tauglichkeit

Kritisch für die praktische Anwendung ist das Ausbreitmaß (slump flow) nach ASTM- und SNI-Standards. Nur Mischungen mit ausreichender Fließfähigkeit können die SCC-Kriterien erfüllen: selbstverdichtend, passend für komplexe Schalungsgeometrien ohne Vibrationsaufwand. BSI-2 erreichte 650 mm Ausbreitmaß und damit die SCC-Spezifikationen. BSI-3 fiel mit unter 550 mm durch dieses Kriterium, obwohl die Festigkeitswerte überlegen waren. Für Maurer bedeutet dies: Die Mischungszusammenstellung muss sorgfältig auf die Baustellenanforderungen abgestimmt werden – maximale Nachhaltigkeit oder Festigkeit konkurriert mit der Verarbeitbarkeit.

Die Wahl der richtigen Mischung hängt vom Anwendungsfall ab: Bodenplatten und Stützstrukturen profitieren von BSI-2, während hochfeste Anwendungen ohne SCC-Anforderung BSI-3 bevorzugen könnten.
TRL 5: Technologische Validierung im laborrelevanten Umfeld

Transferpotenzial für Maurer

Für den Maureralltag ergeben sich konkrete Anwendungsfelder: Die untersuchte SCC-Mischung mit 50% Steinasche als Feinzuschlagersatz und 100% Eisenschlacke als Grobzuschlagersatz eignet sich hervorragend für Bodenplatten, Fundamente und tragende Bauteile im Industriebau. Die verbesserte Chloridresistenz prädestiniert den Beton für Parkdecks, Lagerhallen und chemisch belastete Umgebungen.

Praktische Umsetzungsschritte für Betriebe:

  • Kontakt zu regionalen Stahlwerken und Steinbruchbetrieben für Materialbeschaffung aufnehmen
  • Mischungsrezepte mit lokalen Betonlieferanten abstimmen (Mischungsnummer BSI-2 als Referenz)
  • Erste Pilotprojekte mit nicht kritischen Bauteilen (z. B. Fundamente) testen
  • Qualitätskontrolle durch Ausbreitmaß-Prüfung vor Einbau sicherstellen

Wirtschaftlich attraktiv ist die Nutzung von Industrie-Nebenprodukten durch potenziell geringere Materialkosten und verbesserte Nachhaltigkeitsbilanz – ein Wettbewerbsvorteil bei öffentlichen Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien.

Fazit

Die Studie demonstriert, dass Eisenschlacke und Steinasche praktikable Zuschlagersatzstoffe für selbstverdichtenden Beton darstellen – mit messbaren Vorteilen bei Festigkeit und Dauerhaftigkeit. Die Mischung BSI-2 (50% SA, 100% IS) bietet dabei die beste Balance für die baupraktische Anwendung. Für Maurerbetriebe eröffnet sich ein Feld für nachhaltige Betontechnologie mit direktem Praxisbezug. Transferbarrieren wie Materialverfügbarkeit und fehlende Langzeiterfahrung können durch Pilotprojekte und Branchenkooperationen überwunden werden.

Quellen